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BIM QM: Teil 1, Übersicht & Warum Modelle langsam werden
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BIM-QM Serie: Teil 1, Übersicht und warum Modelle langsam werden

Viele Probleme in BIM-Projekten zeigen sich nicht direkt am Anfang, sondern erst im Laufe der Bearbeitung. Modelle werden größer, langsamer und zunehmend schwieriger zu handhaben.

Gerade in größeren Projekten oder im Bestand werden Revit-Modelle mit der Zeit spürbar schwerfälliger. Ladezeiten nehmen zu, Bearbeitungsschritte dauern länger und die Arbeit im Modell wird zunehmend unübersichtlich.

Die Ursachen dafür liegen selten an einem einzelnen Faktor, sondern entstehen meist schleichend im Projektverlauf – durch viele kleine Entscheidungen in der Modellierung, Datenpflege und Zusammenarbeit.

Mit diesem Beitrag möchten wir einen ersten Überblick geben und damit die BIM-QM Serie starten.


Welche Faktoren beeinflussen die Modellperformance – und wo kann man gezielt ansetzen?

Vermeidbare und unvermeidbare Einflussfaktoren

Nicht alle Themen, welche Modelle verlangsamen sind direkt vermeidbar

Grundsätzlich lassen sich die Ursachen für „schwere“ oder langsame Modelle in zwei Kategorien einteilen:
vermeidbare und nur bedingt vermeidbare Faktoren.

Vermeidbare Faktoren

Ein großer Teil der Performanceprobleme entsteht durch Dinge, die sich mit klaren Standards und etwas Disziplin im Modellierungsprozess und der Modellpflege vermeiden lassen.

Typische Beispiele aus der Praxis sind:

Unbereinigte Familien
Familien werden häufig direkt ins Projekt geladen, ohne vorher geprüft oder reduziert zu werden.
Dazu gehören:

- unnötige Materialien

- zu hohe geometrische Komplexität (häufig Herstellerfamilien)

- bekannte Probleme wie „Material-Bugs“

Diese Aspekte blähen Modelle unnötig auf und wirken sich direkt auf die Performance aus. Ein abgestimmter und konsistenter Familiencontent ist hierbei ein besonders wichtiger Punkt. Zu diesem Thema haben wir schonmal einen Beitrag geschrieben, siehe: https://wearebim.de/beitraege/how-to-master-revit-familiencontent

Importierte DWGs im Modell
CAD-Dateien werden teilweise direkt ins Modell geladen, obwohl sie zumeist nur als Referenz benötigt werden.
Hier ist es sinnvoller, diese zu verlinken statt zu importieren. Bei MEAC nutzen wir ein „CAD-Modell“ in dem wir DWG-Dateien wie z.B. Grundrissunterlagen gesammelt verlinken. Dieses Modell ist wiederum mit dem Hauptmodell verknüpft. Damit schaffen wir eine klare Struktur und erleichtern unsere TGA-Hauptmodelle.

Diese Punkte lassen sich durch klare Vorgaben und Standards in der Firma und den Projekten durch die BIM-Koordinatoren gut steuern.

Nur bedingt vermeidbare Faktoren

Neben den „klassischen Fehlern“ gibt es auch Aspekte, die sich im Projektalltag nur begrenzt vermeiden lassen.

Dazu gehören unter anderem:

Schnitte, Ansichten und Modellstände
Im Laufe eines Projekts entstehen viele Ansichten, die nicht immer konsequent aufgeräumt werden.

Geladene, aber nicht verwendete Familien
Diese sammeln sich häufig über die Projektlaufzeit an.

Warnungen im Modell
Beispiele sind:

- doppelte Elemente

- überlappende Bauteile

- inkonsistente Verbindungen

Auch wenn viele dieser Punkte theoretisch vermeidbar sind, treten sie in der Praxis fast immer auf – insbesondere bei größeren und komplexeren Projekten.

Ein bewusster Umgang damit ist daher oft wichtiger als der Versuch, sie vollständig zu vermeiden.

Qualitätssicherung im Modell – Ein Überblick

Das QS ist wichtig um Struktur, Konsistenz und Nutzbarkeit eines Modells sicherzustellen

Neben der reinen Modellierung spielt die kontinuierliche Qualitätssicherung (QS) eine entscheidende Rolle.

Dabei geht es weniger darum, jedes Detail zu perfektionieren, sondern vielmehr darum, Struktur, Konsistenz und Nutzbarkeit des Modells sicherzustellen.

Typische Maßnahmen sind:

Modellprüfung

Eine regelmäßige Prüfung des Modells kann sowohl geometrisch als auch semantisch erfolgen.
Dabei wird beispielsweise überprüft:

- ob Bauteile korrekt modelliert sind bzw. die richtigen Familien genutzt werden

- ob Parameter konsistent gepflegt sind

- ob Modellstrukturen und Standards eingehalten werden

Internes Issue-Management

Fehler und Unstimmigkeiten sollten systematisch erfasst und nachverfolgt werden.
Ein strukturiertes Issue-Management hilft dabei, Probleme transparent zu machen und gezielt abzuarbeiten.

Das Issue Management (wie z.B. Kollisionsprüfungen) ist ein Werkzeug der Qualitätssicherung

Regelmäßige Bereinigung

Modelle sollten in regelmäßigen Abständen bereinigt werden. Dazu gehören z. B.:

- Löschen nicht benötigter Ansichten

- Reduzieren von Warnungen

- Komprimieren des Modells

Beim Einsatz von Funktionen wie „Nicht verwendete Elemente bereinigen“ ist jedoch Vorsicht geboten, da hier schnell mehr entfernt wird als beabsichtigt.

Tools als Unterstützung

Sowohl herstellereigene Tools als auch projektspezifische Lösungen können helfen, Modelle effizient zu analysieren und zu optimieren.

Schulung und Sensibilisierung

Ein oft unterschätzter Punkt ist der Faktor Mensch.
Die beste Struktur bringt wenig, wenn sie im Projektalltag nicht gelebt wird.

Regelmäßige Schulungen und ein gemeinsames Verständnis für Modellqualität sind daher essenziell.

Klare Rollen und Verantwortlichkeiten

Eine saubere Aufgabenverteilung im Projekt hilft dabei, Qualität langfristig sicherzustellen.
Wer prüft was? Wer ist für Modellstruktur verantwortlich? Wer für Parameter?

Diese Fragen sollten früh geklärt werden.

Mit Struktur und Selbstkontrolle zu hoher Qualität

Modellperformance und Modellqualität sind keine Randthemen, sondern zentrale Faktoren für den Erfolg von BIM-Projekten.

Viele Probleme lassen sich durch klare Standards und strukturierte Prozesse vermeiden – andere gehören zum Projektalltag dazu und müssen aktiv gemanagt werden.

Dieser Beitrag soll einen ersten Überblick geben. In den folgenden Beiträgen der Serie werden wir einzelne Themen vertiefen und konkrete Ansätze aus der Praxis vorstellen.

Fernando Lalk
BIM Koordinator TGA