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Revit trifft KI: Claude über MCP direkt mit dem Modell verbinden

Künstliche Intelligenz und Revit werden zunehmend miteinander verbunden. Bisher war die Nutzung von KI in Revit allerdings häufig indirekt: Man lässt sich beispielsweise einen Dynamo-Graphen oder Revit-API-Code erstellen und führt diesen anschließend selbst in Revit aus.

Mit MCP (Model Context Protocol) geht ein weiterer Schritt: Ein KI-Assistent kann über eine standardisierte Schnittstelle direkt mit Revit kommunizieren.

Wir haben uns deshalb angesehen, wie sich Claude mit Revit 2027 verbinden lässt und was sich damit im Planungsalltag tatsächlich anfangen lässt.

Was ist MCP?

MCP steht für Model Context Protocol. Vereinfacht gesagt stellt MCP eine standardisierte Verbindung zwischen einem KI-Modell und externen Anwendungen bzw. Werkzeugen her.

Im Fall von Revit sieht der Aufbau vereinfacht so aus:

Claude → MCP Server → Revit

Claude stellt dabei eine Anfrage. Der MCP-Server stellt die dafür vorgesehenen Werkzeuge bereit und kommuniziert mit Revit. Die Antwort aus dem Revit-Modell wird anschließend wieder an Claude zurückgegeben.

Der interessante Punkt dabei: Claude muss nicht mehr nur mit Informationen arbeiten, die wir ihm vorher übergeben. Über MCP kann die KI direkt auf Informationen aus dem geöffneten Revit-Modell zugreifen. Autodesk beschreibt genau diesen Anwendungsfall für den Revit Public MCP Server.

Claude mit Revit verbinden

Für unseren Test benötigen wir drei Komponenten:

- Revit 2027

- den Revit Public MCP Server

- einen MCP-fähigen KI-Client, in unserem Fall Claude Desktop

Der Revit MCP Server wird als separates Add-on für Revit 2027 installiert. Autodesk stellt ihn aktuell als Technical Preview zur Verfügung.

Anschließend wird der MCP-Server in Claude eingerichtet. Bei Problemen mit der Verbindung ist insbesondere der Pfad zur Datei Autodesk.RevitMcpServer.Stdio.exe relevant. Autodesk beschreibt hierfür auch eine entsprechende Konfiguration in der Claude-Desktop-Konfigurationsdatei.

In den Einstellungen von Claude muss unter "Entwickler" die MCP datei auftauchen

Ein vereinfachter Ablauf

1. Revit 2027 installieren

2. Revit Public MCP Server installieren

3. Claude Desktop konfigurieren

4. Revit-Modell öffnen

5. MCP-Verbindung in Claude aktivieren

Danach kann Claude die vom MCP-Server bereitgestellten Funktionen nutzen.

Das Schöne daran: Für die eigentliche Interaktion ist anschließend keine spezielle Programmiersprache notwendig. Die Anfrage kann ganz normal in natürlicher Sprache formuliert werden.

In Claude kann man in natürlicher Sprache kommunizieren um Infos zu bekommen

Zum Beispiel:

„Wie viele Räume befinden sich im aktuellen Modell?“

oder:

„Welche Elemente befinden sich auf Ebene 2?“

Revit liefert die entsprechenden Informationen über den MCP-Server an Claude zurück.

Was kann man damit tatsächlich machen?

Genau hier wird es für uns interessant.

Der aktuelle Revit MCP Server stellt unter anderem Funktionen zur Verfügung, mit denen Modelle abgefragt, Elemente gefunden, Parameter kontrolliert und Mengen bzw. Zählungen ermittelt werden können. Auch Änderungen von Parametern in größerem Umfang sowie das Erstellen von Screenshots von Ansichten gehören zu den vorgesehenen Möglichkeiten.

Damit lassen sich beispielsweise Fragen stellen wie:

„Wie viele Lüftungsgeräte befinden sich im Modell?“

„Welche Bauteile haben keinen Wert für diesen Parameter?“

„Liste mir alle Elemente dieses Typs auf.“

Oder man kann sich Informationen aus dem Modell zusammenstellen lassen, ohne dafür zunächst manuell mehrere Revit-Tabellen oder Filter aufzubauen.

Das ist für uns der eigentlich spannende Punkt: Die KI wird damit von einem reinen Chatbot zu einer Art Schnittstelle zwischen Benutzer und Modell.

Einfache Fragen beantwortet die KI zuverlässig

Aber: Das Ganze ist noch nicht perfekt

Bei allen Möglichkeiten sollte man aktuell nicht den Eindruck bekommen, dass Claude nun selbstständig komplette Revit-Projekte planen kann.

Der Revit MCP Server befindet sich noch in der Technical Preview. Auch die verfügbaren Funktionen sind durch die vom Server bereitgestellten Tools begrenzt.

Und genau hier liegt aus unserer Sicht eine wichtige Einschränkung:

MCP ist nicht automatisch gleichbedeutend mit guter KI-Automatisierung.

Claude kann nur mit den Informationen und Werkzeugen arbeiten, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Außerdem muss die KI die Anfrage richtig interpretieren und das passende Werkzeug auswählen.

Das kann bei einfachen Abfragen bereits sehr gut funktionieren. Bei komplexeren Aufgaben wird es dagegen schnell interessanter – und teilweise auch unzuverlässiger.

Für uns ist deshalb weniger die Frage:

„Kann Claude Revit bedienen?“

Sondern vielmehr:

„Welche Aufgaben können wir Claude zuverlässig übergeben, sodass dadurch im echten Planungsalltag Zeit eingespart wird?“

Unser Fazit: Interessant – aber noch ein Experiment

Wir sehen in der Kombination aus Revit, MCP und KI definitiv Potenzial.

Besonders bei Modellabfragen, Auswertungen, Qualitätskontrollen und wiederkehrenden Aufgaben könnte eine natürliche Spracheingabe zukünftig eine interessante Ergänzung zu bestehenden Revit- und Dynamo-Workflows darstellen.

Gleichzeitig ist der aktuelle Stand noch weit davon entfernt, den Planer zu ersetzen. Gerade bei komplexeren Aufgaben sind Kontrolle und fachliches Verständnis weiterhin entscheidend.

Für uns ist der Revit-MCP-Server deshalb vor allem eines: eine spannende neue Schnittstelle, mit der wir experimentieren können.

Und genau das wollen wir auch tun.

In einem weiteren Beitrag möchten wir den gleichen Ansatz mit Microsoft Copilot testen und vergleichen, wie sich unterschiedliche KI-Assistenten im direkten Zusammenspiel mit Revit schlagen.

Denn am Ende zählt nicht, welche KI die beeindruckendste Demo liefert – sondern welche davon im echten Planungsalltag zuverlässig funktioniert.

Fernando Lalk
BIM Koordinator TGA