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BIM-QM Serie: Teil 3, Prozesse, Tools und Verantwortlichkeiten in der Praxis

BIM-QM Teil 3: Prozesse, Tools und Verantwortlichkeiten in der Praxis

In den ersten beiden Teilen unserer BIM-QM-Reihe haben wir uns damit beschäftigt, warum Modelle im Projektverlauf schwerfälliger werden können und wie sich Modellqualität grundsätzlich sichern lässt.

Im dritten Teil möchten wir nun noch stärker auf die praktische Umsetzung eingehen:
👉 Welche Workflows helfen im Projektalltag wirklich und welche Rolle spielen Tools?

👉 Warum sind Schulungen, Sensibilisierung und klare Verantwortlichkeiten entscheidend?

Denn gute Modellqualität entsteht nicht allein durch Software oder Prüfregeln – sondern vor allem durch funktionierende Prozesse im Team.

Qualitätssicherung beginnt nicht erst bei der Prüfung

Ein häufiger Irrtum in BIM-Projekten ist die Annahme, dass Qualität erst am Ende eines Projekts geprüft wird. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Modellqualität entsteht im laufenden Arbeitsprozess.

Viele Probleme entwickeln sich schleichend über Wochen oder Monate hinweg – beispielsweise durch unstrukturierte Modellierung, fehlende Abstimmungen oder inkonsistente Arbeitsweisen. Deshalb ist BIM-QM für uns – Wie in Teil 2 der Serie bereits erläutert - kein separater Kontrollschritt, sondern Teil der täglichen Projektarbeit.

Dazu gehören unter anderem:

- regelmäßige Modellprüfungen

- konsequente Bearbeitung von Issues

- laufende Pflege der Modelle

- Einhaltung definierter Standards

Gerade in größeren Projekten ist es entscheidend, diese Abläufe frühzeitig zu etablieren und im Team konsequent umzusetzen.

Strukturierte Workflows statt Einzelmaßnahmen

Ein funktionierender QM-Prozess besteht selten nur aus einer Software oder einer einzelnen Prüfung. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Abläufe und Verantwortlichkeiten.

Bei uns beginnt Qualitätssicherung bereits direkt während der Modellierung. Bearbeiter prüfen ihre Modelle regelmäßig selbst, kontrollieren Warnungen und führen erste Kollisionsprüfungen im Fachmodell durch. Dadurch können viele Probleme bereits erkannt werden, bevor sie überhaupt in die übergeordnete Koordination gelangen.

Zusätzlich erfolgen regelmäßige Gesamtprüfungen durch BIM-Koordinatoren – beispielsweise in Navisworks oder über interne Prüfwerkzeuge. Dabei werden Fachmodelle zusammengeführt, Kollisionen analysiert und Auffälligkeiten strukturiert ausgewertet.

Wichtig ist dabei vor allem die Nachvollziehbarkeit:
Probleme werden nicht nur mündlich kommuniziert, sondern gezielt dokumentiert und nachverfolgt. So bleibt transparent:

- welches Problem existiert

- wer verantwortlich ist

- ob das Thema bereits bearbeitet wurde

Dadurch entstehen deutlich klarere und effizientere Projektabläufe.

QM-Tools als Unterstützung im Alltag

Im Bereich BIM-QM gibt es mittlerweile zahlreiche Werkzeuge, die unterschiedliche Aspekte der Modellprüfung unterstützen können – von Kollisionsprüfungen und Warnungsanalysen über Parameter- und Modellprüfungen bis hin zu automatisierten Regelkontrollen. Ziel dieser Tools ist es, Qualitätsprobleme frühzeitig sichtbar zu machen und Prüfprozesse effizienter und nachvollziehbarer zu gestalten.

Für die Kollisionskoordination wird in vielen Projekten Autodesk Navisworks Manage eingesetzt. Die Software ermöglicht es, Fachmodelle zusammenzuführen und Kollisionen strukturiert zu analysieren und nachzuverfolgen. Gerade in größeren BIM-Projekten ist Navisworks deshalb häufig ein zentraler Bestandteil der Koordination zwischen Architektur, Tragwerksplanung und TGA.

Zur Prüfung der eigentlichen Modellqualität kommen häufig Werkzeuge wie der Autodesk Model Checker oder Solibri Office zum Einsatz. Während der Model Checker vor allem innerhalb von Revit genutzt wird, um Warnungen, fehlende Parameter oder Regelverletzungen auszuwerten, bietet Solibri zusätzlich sehr umfangreiche Prüfmechanismen für IFC-Modelle und OpenBIM-Workflows. Dadurch lassen sich sowohl geometrische als auch datenbasierte Qualitätsanforderungen systematisch kontrollieren.

Ergänzend gewinnen individuelle Prüf- und Automatisierungsprozesse zunehmend an Bedeutung. Mit Dynamo können projektspezifische Regeln und Abläufe automatisiert werden – beispielsweise die Prüfung von Pflichtparametern oder die automatische Erstellung von Qualitätsreports. Auch pyRevit wird in vielen BIM-Teams genutzt, um eigene QA/QC-Workflows direkt in Revit zu integrieren und wiederkehrende Prüfungen effizienter umzusetzen.

Auch wir setzen bei MEAC sowohl auf etablierte Softwarelösungen als auch auf eigene Werkzeuge wie unseren internen Explorer. Solche Tools helfen dabei, Modelle strukturierter auszuwerten, Probleme schneller sichtbar zu machen und den Überblick über große Projektmodelle zu behalten.

Trotzdem sollte man eines nicht vergessen:
Ein Tool allein erzeugt noch keine gute Modellqualität.

Selbst die beste Prüfsoftware kann fehlende Standards oder unsaubere Arbeitsweisen nicht vollständig kompensieren. Entscheidend bleibt deshalb immer der dahinterliegende Workflow – also klare Prozesse, definierte Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Verständnis von Qualität im Projektteam.

Schulung und Sensibilisierung als wichtiger Faktor

Ein oft unterschätzter Aspekt im BIM-QM ist der Faktor Mensch.

Viele Qualitätsprobleme entstehen nicht aus fehlender Motivation, sondern weil Auswirkungen bestimmter Arbeitsweisen im Alltag nicht immer sichtbar sind. Gerade Themen wie Modellperformance, Familienaufbau oder Datenstrukturen wirken sich häufig erst später im Projekt aus.

Deshalb spielt die kontinuierliche Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden eine wichtige Rolle. Ziel ist dabei nicht nur die reine Softwarebedienung, sondern vor allem ein gemeinsames Verständnis für Modellqualität und strukturierte Arbeitsweisen.

Denn nur wenn Hintergründe verstanden werden, lassen sich Standards auch langfristig sinnvoll im Projekt umsetzen.

Klare Rollen und Verantwortlichkeiten

Ebenso wichtig wie technische Prozesse ist eine klare Aufgabenverteilung im Projektteam.

Dies haben wir im Teil 2 der Serie genauer erläutert.

Qualitätssicherung funktioniert nur dann zuverlässig, wenn eindeutig geregelt ist:

- wer prüft

- wer koordiniert

- wer Probleme bearbeitet

Bei uns übernehmen BIM-Koordinatoren und Projektleitungen die übergeordneten Prüfungen sowie die Definition von Standards und Prozessen. Die Bearbeiter wiederum verantworten die Qualität ihrer eigenen Fachmodelle und arbeiten erkannte Issues strukturiert ab.

Dadurch entsteht ein nachvollziehbarer Workflow mit klaren Zuständigkeiten – anstatt eines unklaren „alle prüfen alles“.

Qualität ist Teamarbeit

Ein funktionierender BIM-QM-Prozess entsteht nicht durch einzelne Personen oder Werkzeuge allein. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel aus klar definierten Standards, strukturierten Prozessen und geeigneten Tools, ergänzt durch eine kontinuierliche Kommunikation innerhalb des Projektteams. Ebenso wichtig ist ein gemeinsames Verständnis dafür, was unter Qualität im Modell überhaupt verstanden wird und welche Anforderungen im Projekt erfüllt werden müssen. Je besser diese Faktoren ineinandergreifen, desto stabiler, performanter und koordinierbarer bleiben Modelle über den gesamten Projektverlauf hinweg – von der ersten Planung bis zur finalen Übergabe.

BIM-QM als gemeinsames Fundament erfolgreicher Projekte

Mit dieser dreiteiligen Reihe wollten wir zeigen, dass BIM-Qualitätsmanagement weit über einzelne Prüfungen oder reine Softwarethemen hinausgeht.

Es zeigt sich, dass stabile und performante BIM-Modelle nicht zufällig entstehen. Probleme wie wachsende Modellgrößen, nachlassende Performance oder zunehmende Koordinationsaufwände entwickeln sich meist schleichend im Projektverlauf und lassen sich nur durch konsequente Qualitätsprozesse nachhaltig vermeiden.

Entscheidend ist deshalb das Zusammenspiel aus klaren Standards, strukturierten Prüf- und Koordinationsabläufen, geeigneten Werkzeugen sowie einem gemeinsamen Qualitätsverständnis im Team. Ebenso wichtig sind nachvollziehbare Verantwortlichkeiten und ein Bewusstsein dafür, wie sich tägliche Arbeitsweisen langfristig auf Modellqualität und Projektabläufe auswirken.

Je besser diese Faktoren ineinandergreifen, desto stabiler, effizienter und koordinierbarer bleiben Modelle über den gesamten Projektverlauf hinweg – und desto größer wird letztlich auch der praktische Mehrwert der BIM-Methode im Projektalltag.

Fernando Lalk
BIM Koordinator TGA