StartBeiträge
BIM QM: Teil 2, Qualität im Modell sichern
Beitrag

Teilen:

BIM-QM Serie: Teil 2, Qualität im Modell sichern

Im ersten Teil unserer BIM-QM-Reihe haben wir uns angeschaut, warum Modelle im Projektverlauf langsamer und schwerfälliger werden können. Dabei wurde schnell klar: Die Ursachen entstehen oft schleichend – durch viele kleine Entscheidungen im Alltag.

Im zweiten Teil geht es nun um die entscheidende Frage:

Wie lässt sich Modellqualität im laufenden Projekt gezielt sichern? Und wie setzen wir das bei MEAC um?

Denn selbst mit guten Grundlagen bleibt Modellqualität kein Selbstläufer. Ohne klare Prozesse, Verantwortlichkeiten und regelmäßige Prüfungen nimmt die Qualität mit der Zeit zwangsläufig ab.

Qualität entsteht im Prozess – nicht am Ende

Ein häufiger Denkfehler in Projekten ist, Qualität erst am Ende „prüfen“ zu wollen. In der Praxis funktioniert das nicht.

Modellqualität muss kontinuierlich begleitet werden – von der ersten Modellierung bis in die Ausführungsplanung. Genau hier setzen wir bei MEAC an: nicht mit einzelnen Prüfungen, sondern mit einem strukturierten, durchgängigen Qualitätsprozess.

Dieser basiert auf drei zentralen Bausteinen:

- laufende Prüfungen im Modell

- übergeordnete Koordination

- klare Rollen im Projektteam

Kollisionsprüfung: früh erkennen statt spät reagieren

Ein zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung ist die Kollisionsprüfung. Dabei verfolgen wir bewusst einen zweistufigen Ansatz.

Auf der einen Seite steht die direkte Prüfung im Fachmodell. Die Bearbeiter kontrollieren ihre Planung bereits während der Modellierung in Revit visuell und auch mit dem Revit-internen Prüfungstool. Viele Konflikte lassen sich so frühzeitig erkennen und direkt lösen, ohne dass sie überhaupt in der Koordination auftauchen.

Die Kollisionsprüfung ist ein essentielles Werkzeug bei der Qualitätssicherung

Auf der anderen Seite erfolgt die gewerkeübergreifende Prüfung in Navisworks. Hier werden die Fachmodelle zusammengeführt und systematisch auf Kollisionen geprüft. Dabei werden Kollisionen mit anderen Fachmodellen, aber auch interne TGA-Kollisionen geprüft. Diese Aufgabe liegt bewusst bei den BIM-Koordinatoren, um eine konsistente und zielgerichtete Prüfung sicherzustellen.

So entsteht eine sinnvolle Aufteilung:
Frühe Qualitätssicherung im Modell – strukturierte Gesamtprüfung in der Koordination.

Warnungen im Modell: Realität akzeptieren, sinnvoll steuern

Ein Thema, das oft unterschätzt wird, sind Warnungen in Revit.

Doppelte Elemente, überlappende Bauteile oder inkonsistente Verbindungen lassen sich theoretisch vermeiden – in der Praxis treten sie aber fast immer auf, besonders in größeren Projekten.

Entscheidend ist daher nicht, jede Warnung um jeden Preis zu verhindern, sondern bewusst mit ihnen umzugehen.

Bei uns bedeutet das:

- regelmäßige Sichtung der Warnungen

- Bewertung nach Relevanz

- gezieltes Abarbeiten statt pauschalem „Aufräumen“

Unterstützt wird das durch ein eigenes Tool, mit dem wir Warnungen strukturiert auswerten und Schwerpunkte im Modell sichtbar machen können. Dadurch wird Qualität messbarer und vor allem besser steuerbar.
Es gibt auch externe Tools auf dem Markt, welche unter anderem bei der Bereinigung von Warnung stark unterstützen. Im dritten Teil des Serie werden unsere Empfehlungen für QM-Tools vorstellen.

Warnungen müssen in Revit regelmäßig abgearbeitet werden, um die Performance sicherzustellen

Klare Verantwortlichkeiten statt „alle ein bisschen“

Ein funktionierender QM-Prozess lebt von klaren Zuständigkeiten. Wenn jeder ein bisschen prüft, prüft am Ende oft niemand richtig.

Deshalb definieren wir im Projekt bewusst Rollen:

Der BIM-Koordinator bzw. die Projektleitung übernimmt die übergeordnete Prüfung, definiert Standards und steuert die Koordination.
Die Bearbeiter sind gleichzeitig dafür verantwortlich, ihre eigenen Modelle sauber aufzubauen, zu prüfen und erkannte Probleme zu beheben. Um die Probleme im Modell und in der Planung strukturiert abarbeiten zu können, nutzen wir dabei das Aufgabentool der Autodesk Construction Cloud (kurz ACC). Darüber können Aufgaben gezielt an Bearbeiter verteilt, relevante Stellen direkt im Revit-Modell markiert und der Status der jeweiligen Issues übersichtlich als „offen“ oder „erledigt“ verfolgt werden.

Wichtig ist dabei:
Qualität ist keine separate Aufgabe, sondern Teil der täglichen Arbeit im Modell.

Eine klare Rollenverteilung erleichtert den QM Prozess enorm

Fehler verschwinden nicht, wenn man sie ignoriert – sie tauchen später nur an anderer Stelle wieder auf.

Deshalb setzen wir auf ein strukturiertes Issue-Management. Probleme werden klar beschrieben, Verantwortlichen zugeordnet und bis zur Lösung nachverfolgt. Das schafft Transparenz im Projekt und verhindert, dass Themen „untergehen“.

Unser Ansatz bei MEAC: der Explorer

Ein wichtiger Bestandteil unseres Workflows ist unser eigens entwickelter MEAC-Explorer.

Damit bündeln wir verschiedene Aspekte der Modellprüfung und -analyse:

- Auswertung von Modellinhalten und Parametern

- Unterstützung bei Prüfprozessen

- bessere Übersicht über den Modellzustand

Der Vorteil: Qualität wird nicht nur subjektiv bewertet, sondern lässt sich nachvollziehbar analysieren und steuern.

Bei MEAC nutzen wir eigens entwickelte Tools um die Modellqualität im Auge zu behalten

Qualität ist kein Tool, sondern ein System

Neben eigenen Lösungen gibt es viele Möglichkeiten, Qualitätssicherung im Unternehmen zu etablieren – von Checklisten über Prüfsoftware bis hin zu automatisierten Regelwerken.

Entscheidend ist jedoch weniger das konkrete Tool, sondern ein funktionierendes Gesamtsystem:
klare Prozesse, definierte Standards und ein gemeinsames Verständnis im Team.

Modellqualität entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel aus Struktur, Verantwortung und kontinuierlicher Prüfung.

Je klarer diese Prozesse im Projekt verankert sind, desto stabiler, performanter und nutzbarer bleiben die Modelle über den gesamten Projektverlauf hinweg.

Im nächsten Teil der Reihe gehen wir noch stärker in die Praxis und zeigen konkrete Workflows sowie Beispiele für QM-Tools. Außerdem gehen wir auf Schulungen und Sensibilisierung ein und beleuchten die Rollen und Verantwortlichkeiten im Projekt genauer.

Fernando Lalk
BIM Koordinator TGA