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BIM-Architekturmodelle als Grundlage für die TGA-Planung
Welche Anforderungen stellt die TGA an ein Architekturmodell?
In BIM-Projekten bildet das Architekturmodell in der Regel die Grundlage für die weitere Fachplanung. Auch in der TGA dient das Modell des Architekten als Basis für Berechnungen, das eigene Fachmodell sowie für Koordination und Kollisionsprüfung. Die Qualität und Struktur des Architekturmodells hat daher einen direkten Einfluss auf den Planungsaufwand in der TGA.
Ein sauber aufgebautes und strukturiertes Architekturmodell kann viel Abstimmungsaufwand sparen, während fehlerhafte oder unvollständige Modelle zu zusätzlicher Nacharbeit, falschen Berechnungen oder Koordinationsproblemen führen können.
In diesem Beitrag möchten wir aus Sicht der TGA darstellen, welche Anforderungen wir an ein Architekturmodell stellen, damit eine effiziente Weiterarbeit im BIM-Prozess möglich ist.

Richtige IFC-Klassifizierung der Bauteile
Ein essentieller Punkt für die Weiterarbeit der TGA ist die korrekte IFC-Klassifizierung der Bauteile im Architekturmodell. Bauteile müssen den richtigen IFC-Klassen zugeordnet sein, damit sie in den Fachmodellen korrekt erkannt, gefiltert und für Berechnungen und weitere Prozesse ausgewertet werden können.
Beispiele:
- Wände → IfcWall
- Türen → IfcDoor
- Fenster → IfcWindow
- Decken → IfcSlab
- Dächer → IfcRoof
Besonders bei Türen und Fenstern ist die richtige Klassifizierung wichtig, da diese als Öffnungen wirken und Flächen sowie Raumbegrenzungen beeinflussen.
Die IFC-Klassifizierung wird in vielen Fällen über Mapping-Tabellen (Bild aus Revit) definiert. Diese Einstellungen sollten im Projekt abgestimmt und einheitlich verwendet werden.

Zusätzlich zur Klassifizierung spielen Bauteilattribute eine wichtige Rolle. Ein typisches Beispiel ist der Parameter:
IsExternal → Ja / Nein (Außenbauteil / Innenbauteil)
Nur wenn Außenliegende Bauteile auch als solche markiert sind, werden sie von Berechnungssoftware richtig erkannt und weiterverarbeitet.
Bauteile wie Abhangdecken, Panels oder Ähnliches müssen auch richtig klassifiziert sein, damit Sie nicht fälschlicherweise als raumabschließend definiert werden und keine falsche Höhe des Raumes erzeugen. Das heißt eine Abhangdecke sollte zum Beispiel als „IFCFurniture“ ausgelesen werden anstatt als „IFCSlab“.
Weitere wichtige Attribute können sein:
- Geschosszuordnung
- Bauteiltyp
- Tragend Ja/Nein
- Weitere projektspezifische Parameter
Erst durch die Kombination aus Geometrie, Klassifizierung und Attributen entsteht ein stimmiges Modell, das nicht nur visuell korrekt ist, sondern auch fachlich sinnvoll weiterverwendet werden kann.

Mehrschichtige Bauteile
Bauteile wie Wände, Decken oder Dächer sollten als mehrschichtige Bauteile modelliert werden und nicht aus mehreren einzelnen Bauteilen zusammengesetzt sein. Der mehrschichtige Aufbau ermöglicht eine eindeutige Zuordnung von Materialien, Schichten und Bauteileigenschaften innerhalb eines Elements.
Werden Bauteile stattdessen aus einzelnen, übereinanderliegenden Elementen aufgebaut, kann es zu Problemen bei der Bauteilerkennung, bei Raumbegrenzungen sowie bei der Ermittlung von Bauteil- und Raumflächen kommen. Öffnungen werden in solchen Fällen teilweise nicht korrekt als Abzugsflächen berücksichtigt oder Bauteile werden mehrfach erfasst.
Darüber hinaus ermöglicht ein sauber definierter Schichtaufbau die Übergabe von Material- und Bauteilinformationen an nachgelagerte Berechnungs- oder Auswertungsprogramme. Damit bildet der Bauteilaufbau eine wichtige Grundlage für konsistente Auswertungen und eine strukturierte Weiterverarbeitung des Modells in den Fachdisziplinen.
Ein einheitlicher Aufbau von Bauteilen erhöht somit die Modellqualität und reduziert den Abstimmungs- und Korrekturaufwand im weiteren Planungsverlauf.

Räume und MEP-Räume als Grundlage für die TGA
Für die TGA gehören Räume zu den wichtigsten Informationen aus dem Architekturmodell. Sie bilden die Grundlage für viele Auswertungen, Berechnungen und Strukturierungen im weiteren Planungsprozess. Damit die TGA sinnvoll mit den Räumen weiterarbeiten kann, müssen diese im Architekturmodell sauber modelliert sein. Anschließend werden die Räume im TGA-Modell als MEP-Räume übernommen und erweitert.
Wichtige Punkte dabei sind:
- Räume müssen vollständig abgeschlossen sein
- Räume müssen als Volumenkörper vorliegen (Für MEP-Räume essentiell!)
- Räume müssen eine korrekte Raumhöhe haben
- Räume müssen eindeutig benannt und nummeriert sein
- Raumparameter wie Nutzung oder Raumtyp sollten gepflegt sein
Auf Basis dieser architektonischen Räume erstellt die TGA in der Regel eigene MEP-Räume. Diese werden nicht vom Architekten modelliert, sondern von der TGA selbst angelegt und mit weiteren Parametern befüllt und dienen dazu, technische Auswertungen und Zuordnungen strukturierter durchführen zu können, beispielsweise für:
- Anlagenbereiche
- Schächte
- technische Zonen
- Auswertungen und Mengen
Ebenso bilden MEP-Räume die Grundlage für viele Berechnungen in der TGA.
Damit diese Struktur sinnvoll funktioniert, ist es wichtig, dass die architektonischen Räume eine saubere Grundlage bilden. Fehlerhafte Raumbegrenzungen oder inkonsistente Raumdaten führen sonst zu zusätzlichem Aufwand bei der Erstellung der MEP-Räume und der weiteren Modellierung.

Fazit
Ein gutes Architekturmodell zeichnet sich aus Sicht der TGA nicht nur durch eine korrekte Geometrie aus, sondern vor allem durch eine klare Struktur, richtige IFC-Klassifizierungen, gepflegte Bauteilattribute und eine saubere Modellierung im Allgemeinen.
Je besser diese Grundlagen im Architekturmodell umgesetzt sind, desto effizienter können Fachplaner darauf aufbauen und desto reibungsloser funktioniert die modellbasierte Zusammenarbeit im BIM-Prozess.
